Märkische Oderzeitung: Die Linie für Nachtschwärmer
Der Bahnhofsvorplatz weit nach Mitternacht. Fast auf die Sekunde genau rollt Wolf-Dieter Hentschel mit seinem zwölf Meter langen Stadtbus der Linie N 1 heran und hält auf Bussteig 3. Um 1.16 Uhr startet von hier seine Nordtour. Sie führt den Bahnhofsberg hinab zum Platz der Republik, von dort zur Luxemburgstraße, nach Hansa-Nord, zum Klingetal in Richtung Westkreuz. In der August-Bebel-Straße geht es über Fürstenwalder und Heilbronner Straße zurück. Bis kurz vor vier Uhr ist der jetzt 59-jährige Berufskraftfahrer an den Wochentagen mit seinem MAN-Niederflurbus, der mit Gas betrieben wird, auf Tour. 260 PS hat er unterm Hintern. Damit rollt er sonnabends und sonntags sogar bis kurz vor Sechs durch die Nacht – hinein in den Morgen.
Wolf-Dieter Hentschel ist seit 37 Jahren im Besitz des Führerscheins. Der in DDR-Zeiten Fahrerlaubnis hieß. Der „Führer“ war den Obrigen suspekt. „Ich arbeitete damals beim Frankfurter Wohnungs- und Gesellschaftsbaukombinat, kurz WGK genannt.“ Vom Baufahrzeug und WGK-Bus stieg er nach dem Mauerfall auf einen schweren Ferntransporter um, fuhr Richtung Süden. Bis nach Spanien. Eine Knochenarbeit. „Wenn du auf die 60 zugehst überlegst du dir genau, ob du auf dem Bock bleibst oder umsattelst. Seit eineinhalb Jahren bin ich bei Busreisen Homann angestellt.“ Und dieses Unternehmen, mittlerweile 20 Jahre in Frankfurt zu Hause, arbeitet für die Stadtverkehrsgesellschaft (SVF). „In sehr guter Qualität“, wie SFV-Verkehrsleiter Fred Bernau bestätigt. Die Firma würde sämtliche Standards erfüllen und auch Nischen abdecken, so Fahrten in die Ortsteile.
Die Tür von Hentschels Nachtbus schließt sich. Nico Schädel, 20-jähriger Fliesenleger, ist erster Gast. Die 1,20 Euro für den Fahrschein bezahlt er gern. „Ich wohne in Nord. Das ist schon ein Stück Weg.“ Und Schwarzfahren komme bei ihm nicht in Frage. „40 Euro Strafe. Dieses Risiko sollte keiner eingehen.“
Quirlig und laut wird es, als der N 1 an den Lenné Passagen hält. Viadrina-Studenten steigen ein. Sie kommen von einer Sommerparty. Mit ihrem Semesterticket, das die Uni vor zehn Jahren eingeführt hat, können sie alle öffentlichen Verkehrsmittel – auch den Regionalexpress innerhalb des gesamten Verkehrsverbundes Berlin/Brandenburg – nutzen. Während die Bachelor-Studenten Hanna Napp und Christoph von Rüdiger eng umschlungen die hinteren Plätze bevorzugen, schwatzen ein paar Sitzreihen davor drei junge Frauen im lauten Spanisch. „Dieses Multi-Kulti bringt viel Farbe und Leben in die Stadt“, freut sich Nachtfahrer Wolf-Dieter Hentschel. Meist seien es Studenten, die Nachts gern bequem nach Hause wollen. „Morgens, so ab vier Uhr, steigen dann die ersten Dienstleister, Schichtarbeiter und Berlin-Fahrer ein. Eine Reinigungskraft ist auch dabei, die – glaub’ ich – in der Uni arbeitet. Alles nette, freundliche Leute“, so Nachtfahrer Hentschel. Ein paar Morgenmuffel wären natürlich auch mal dabei.
Zehn vor Zwei hat der Bus mit dem Kennzeichen FF-O 438 wieder den Bahnhof erreicht. Ein paar Nachtschwärmer warten schon. Sie wollen nach Süd – ab in die Federn.
Quelle: Märkische Oderzeitung
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Zweites Treffen der Bürgerinitiative ProTram
Drugie spotkanie Inicjatywy Obywatelskiej ProTram
Ein schweres Unwetter über Ostbrandenburg hat am Nachmittag des 4. Juli 2009 vielerorts für Schäden gesorgt. In wenigen Stunden ergoss sich der gemittelte Niederschlag von zwei Monaten über die Stadt. Zahllose Straßen waren überflutet, Bäume stürzten um, Blitze verursachten Brandschäden. Betroffen von den Überschwemmungen waren alle Straßenbahnlinien, so dass der Verkehr für mehrere Stunden komplett eingestellt wurde. Der Bahnhofstunnel, zwischen den Haltestellen Bahnhof und Dresdener Platz gelegen, war wegen der in ihm stehenden Wassermassen weder für Autos, noch für Busse oder Straßenbahnen passierbar. Betroffen waren die Straßenbahnlinien 1 und 4 sowie die Buslinien 980 und 981. Die August-Bebel-Straße stand an der Unterführung der Eisenbahnstrecke nach Eberswalde, zwischen den Haltestellen Kantstr. und Kießlingplatz, so tief unter Wasser, dass auch die Straßenbahnlinie 2 nicht mehr fahren konnte. Die Berliner Straße war auf Höhe der Haltestelle Klingestr., Straßenbahnlinie 1, nicht mehr passierbar. In der Herbert-Jensch-Straße (ebenfalls Strecke in die Lebuser Vorstadt) hatten Sand und Geröll vom Oderhang die Straßenbahnschienen unter sich begraben. Im Vorort Lichtenberg hat ein umgefallener Baum ein Bus-Wartehäuschen zerstört.
Bei der Stadtverkehrsgesellschaft (SVF) gibt es offenbar konkrete Pläne, die unrentable Straßenbahnstrecke in die Lebuser Vorstadt um etwa 1,1 km zu kürzen. Bereits in der Diskussion um eine mögliche Streckenerweiterung ins benachbarte Słubice im Jahr 2005 machte die SVF deutlich, dass sie die Straßenbahn in der Lebuser Vorstadt durch eine Buslinie ersetzen möchte. Im Nahverkehrsplan der Stadt Frankfurt (Oder) für die Jahre 2008 bis 2012 wird die Verkehrssituation im hinteren Bereich der Strecke (etwa ab Hst. Am Winterhafen) so umschrieben: “Nach Gutachten 12/2004 beträgt die durchschnittliche werktägliche Fahrgastnachfrage auf der Linie 1 im Abschnitt Herbert-Jensch-Straße ca. 1.000 Fahrgäste/Werktag im Querschnitt”. Weiterhin heißt es, dass: “für den Fall einer künftig weiter zurückgehenden Fahrgastnachfrage in der Lebuser Vorstadt … eine Straßenbahnwendeschleife im Bereich Klingetal / Hafenstraße zweckmäßig sein” könnte, wobei auch eine Weiterfahrt für nur jede zweite Bahn in Betracht gezogen wird. Die “Märkische Oderzeitung” berichtet in der Ausgabe vom 26. Februar 2009, dass der Verkehrsbetrieb für das Jahr 2010 zum Bau der neuen Wendeschleife in der Berliner Straße 1,05 Mio. Euro Investitionen einplant. Die neue Wendeschleife würde östlich der Berliner Straße in Höhe der Kreuzung mit der Goepel- und Hafenstraße entstehen.