Neue Straßenbahnen kommen später
Montag, 4. November 2019

Bereits 2015 hatte Frankfurt neue Niederflurstraßenbahnen ausgeschrieben. Weil die Stadt aber auf eine finanzielle Beteiligung des Bundeslandes Brandenburg hoffte, verstrichen die Angebote der beiden damaligen Anbieter Škoda aus Tschechien und Solaris aus Polen. Ende 2017 erklärte sich das Land zur Mitfinanzierung bereit. Daraufhin starteten drei Meterspurbetriebe Brandenburgs eine gemeinsame Ausschreibung über 24 Fahrzeuge mit einer Option auf weitere 21 Wagen. Für Frankfurt sind 13 neue Straßenbahnen vorgesehen. Drei Hersteller legten bis zum Frühjahr 2019 finale Angebote vor. Die Straßenbahnbetriebe Brandenburg an der Havel, Cottbus und Frankfurt (Oder) konnten sich auf einen Anbieter einigen. Doch nun hat ein unterlegener Bieter Widerspruch gegen die Vergabeentscheidung eingelegt. Bis die Vergabekammer Brandenburg den Fall entschieden hat, wird die Straßenbahnbestellung warten müssen. Es wird mit einer mehrmonatigen Verzögerung der Auslieferung gerechnet.

Beworben haben dürfte sich Bombardier mit dem Flexity Classic, ein 29,7 Meter langer Drehgestellwagen, der mit 1.000 Spurweite u.a. in Essen, Halle (Saale) oder Plauen fährt. Der baskische Hersteller CAF könnte den Urbos AXL angeboten haben, ebenfalls ein Drehgestellwagen, 30,9 Meter lang. Wie schon bei der Frankfurter Ausschreibung von 2015 könnte sich Škoda-Transportation mit dem ForCity Smart beworben haben. Auch der Schienenfahrzeuganbieter Stadler Rail hat mit dem Modell Tango einen passenden Drehgestellwagen für 1.000 mm Spurweite im Angebot. Das Modell Tramino, mit dem sich der polnische Produzent Solaris 2015 bewarb, wird inzwischen nicht mehr hergestellt. Ein Fahrzeug dieses Typs weilte 2016 bereits zu Probefahrten im Frankfurter Netz. Dazu wurde ein Wagen der Straßenbahn Jena vorübergehend nach Frankfurt überführt. Wer sich tatsächlich beworben hat und wer die Vergabeentscheidung nun angefochten hat, wird demnächst bekanntgegeben.

Frankfurt setzt derzeit 15 nicht-barrierefreie Hochflurwagen vom Typ KT4D der Baujahre 1987-1990, sowie 8 Niederflurwagen vom Typ GT6M der Baujahre 1993-1995 ein. Das Durchschnittsalter Frankfurter Straßenbahnen beträgt damit rund 30 Jahre. Bei guter Pflege könnte eine Tram auch 50 Jahre im Einsatz sein, nach etwa 30 Jahren steigt jedoch der Aufwand für Unterhalt und Ersatzteile so stark, dass Neubaufahrzeuge insgesamt kostengünstiger werden.

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