Erdgasbusse bei der Stadtverkehrsgesellschaft
Natural gas busses in Frankfurt | Autobusy na gaz ziemny

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Wettbewerb des Bundesumweltministeriums

Erdgas bewegt Frankfurt (Oder)


Wettbewerb des Bundesumweltministeriums
 

Erdgasbus 432 2001 lobte das Bundesumweltministerium einen Wettbewerb aus, bei dem sich deutsche Verkehrsbetriebe um eine geförderte Anschaffung von Erdgasbussen bewerben konnten. Das Interesse des Umweltministeriums an der Verbreitung von Erdgasantrieben wird schnell verständlich wenn man einen Blick auf die Ökobilanz eines Erdgasmotors wirft: er verursacht bei der Verbrennung im Vergleich zum dieselbetriebenen Motor etwa 25 Prozent weniger Kohlendioxid. Gegenüber dem Einsatz von Diesel reduziert sich die Partikel-Emission (Ruß) um über 90 Prozent. Gleichzeitig werden die Geräuschemissionen dank der weicheren Verbrennung vermindert. Aufgrund dieser Umweltfreundlichkeit wird Erdgas steuerlich bevorzugt behandelt, so dass auch die Kraftstoffkosten deutlich geringer sind als bei herkömmlichen Antrieben. Die StadtverkehrsGmbH und die Stadtwerke nahmen, begleitet vom Institut für umweltorientierte Logistik am Wettbewerb teil, bot sich so doch die preisgünstige Möglichkeit, die inzwischen etwa zehn Jahre alten Mercedes-Benz-Busse gegen neuere Modelle auszutauschen. Die Lebensdauer der bisherigen Frankfurter Busse war zum Zeitpunkt der Wettbewerbsteilnahme also ohnehin bald abgelaufen, immerhin ist ein Bus im Vergleich zu einem Privatauto deutlich mehr im Einsatz. Kurz vor dem Jahresende 2001 kam der Bescheid, dass die StadtverkehrsGmbH neben Busbetreibern in Berlin und Hannover zu den Wettbewerbsgewinnern gehört und ab dem Jahr 2002 ihre Busflotte auf erdgasbetriebene Fahrzeuge umstellen kann. Die ersten Vorbereitungen konnten getroffen werden. So wird für die neuen Erdgasbusse auch eine entsprechende Tankstelle benötigt. Zum damaligen Zeitpunkt sind die nächsten Erdgastankstellen fast 100 km von Frankfurt (Oder) entfernt.

Foto: Gerald Renger, Frankfurt (Oder)


Im April 2002 meldet das Bundesumweltministerium dann, dass die Anschaffung der Erdgasbusse in Frankfurt zur saubersten Busflotte Europas führen wird, die Stadtverkehrsgesellschaft Frankfurt (Oder) (SVF) unterzeichnet am 25.04.2002 bei der MAN Bus GmbH in Salzgitter einen Vertrag über die Lieferung von 22 erdgasbetriebenen Standard- bzw. Gelenkbussen, deren Einsatz ab September 2002 vorgesehen ist. Das Unternehmen hatte die europaweite Ausschreibung für den Bau der Busse für sich entscheiden können. Am Betriebshof in Neuberesinchen entstand im ersten Halbjahr 2002 eine Erdgastankstelle für die Busse der SVF. Diese Tankstelle sollte auch Spediteure, Taxiunternehmer und Privatleute animieren, ihre Fahrzeuge auf Erdgasantrieb umzustellen, denn die Tankstelle kann von jedermann genutzt werden. Zunächst aber mussten die Abgeordneten noch einer Bürgschaft der Stadt über 6 Millionen € zustimmen. Als auch das geschah, war das Projekt Erdgasbus in Frankfurt erfolgreich in die Wege geleitet. Mitte Juli startet die Produktion der ersten elf Erdgasbusse für Frankfurt in Salzgitter. Fest steht zu diesem Zeitpunkt, wie die Farbgebung der Fahrzeuge sein wird, während bisher hellgelb-rote Busse und Bahnen durch Frankfurt fuhren, werden die neuen Erdgasbusse in hellgrün gehalten sein, selbst die Sitzpolster sind mit dem Zitronenfalter verziert, da das Logo für den Bundesumweltwettbewerb ein weißer Zitronenfalter auf grünem Grund ist.


Neben der deutlich besseren Umweltbilanz der neuen Fahrzeuggeneration gibt es aber vor allem für die Fahrgäste einen ganz wichtigen Vorteil bei den neuen Bussen. Während man in Frankfurt bei der Anschaffung der bisherigen Diesel-Busse in den Jahren 1991 und 1992 keine Niederflurbusse beschaffte, sind die neuen Busse in der fahrgastfreundlichen Niederflurtechnik gebaut. Bereits seit 1994 kennen und schätzen die Fahrgäste der Frankfurter Straßenbahn den stufenfreien Einstieg. Für ältere Fahrgäste, Rollstuhlfahrer oder Fahrgäste mit Kinderwagen vereinfacht sich das Busfahren mit den neuen Fahrzeugen also deutlich. Im August 2002 waren dann sowohl in Salzgitter die ersten elf Busse als auch in Neuberesinchen die neue vollautomatische Erdgastankstelle so gut wie fertig und die Erdgashochdruckleitung verlegt. Am 5. September 2002 trafen die ersten elf von insgesamt 22 Erdgasbussen in Frankfurt (Oder) ein. Es handelte sich um die elf Standardbusse mit den Wagennummern O430 bis O440. Fahrer der SVF machten sich am gleichen Tag morgens auf den Weg nach Salzgitter zu MAN, wo die Busse seit Juli gebaut wurden. Nach einer Einweisung der Fahrer und einer kleinen Werksbesichtigung legten die neuen Fahrzeuge die etwa 320 Kilometer über die Autobahn bis Frankfurt zurück. Da es sich um Stadtbusse handelt die selten mehr als 50 Stundenkilometer fahren müssen, beträgt die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge nur 70 km/h und so dauerte die Fahrt entsprechend lange. Mit neuem Kraftstoff versorgten sich die Wagen an der Erdgastankstelle in Schwerzke bei Brandenburg (Havel), etwa auf der Hälfte der Strecke gelegen.

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Erdgas bewegt Frankfurt (Oder)
 

Bis zum 15. September wurde bei einigen Fahrzeugen die Bordelektronik wie Fahrgastinformation, Fahrscheinautomaten etc. konfiguriert. Am 15. wurden die Wagen dann an einem Tag der offenen Tür bei der StadtverkehrsGmbH (SVF) vorgestellt und waren auch erstmalig für Fahrgäste nutzbar. Zum Nulltarif fuhren alle SVF-Linien und die neuen Erdgasbusse an diesem Tag. Letztere pendelten zwischen dem Betriebshof und einem Fest zur Einweihung der neuen Fahrzeuge in der Innenstadt am Brunnenplatz. Die Busse des MAN-Typs NL243CNG in zweitüriger Ausführung sind wie erwähnt niederflurig, haben eine Länge von 11,95 Meter und bieten 93 Fahrgästen (36 Sitz- und 57 Stehplätze) Platz. Am 16. September begann mit den bereits für den Fahrgasteinsatz hergerichteten Fahrzeuge der Linieneinsatz, weitere Fahrzeuge gelangten nach und nach in den Linienverkehr. Die restlichen elf Busse, dabei handelte es sich um die elf Gelenkbusse O530 bis O540, sollten ab Oktober wieder bei MAN Salzgitter gebaut werden und ab Dezember in Frankfurt zum Einsatz kommen.


Bus 534 in Totalreklame So wurde zum Ende des Jahres 2002 die noch ausstehende Lieferung der elf Erdgas-Gelenkbusse erwartet. Eine Krise beim Hersteller MAN aber erforderte Kurzarbeit im MAN-Werk Salzgitter. Die Auslieferung der Gelenkbusse verzögerte sich. Anfang Januar 2003 wurden dann verbindliche Termine für die mittlerweile verspätete Auslieferung der Gelenkbusse genannt. So sollte der erste Gelenkbus Ende Januar, der letzte Ende Februar in Frankfurt eintreffen. Doch die genannten Termine verstrichen und statt neuer Erdgasbusse kam ein so genannter 15-Meter-Bus aus dem MAN-Bestand nach Frankfurt. Dieser absolvierte Fahrten im Schülerverkehr. Der erste Erdgas-Gelenkbus, Wagen O532 erreichte am 21.02.2003 Frankfurt und wurde am 26. Februar erstmalig im Linienverkehr eingesetzt. Die Gelenkbusse des MAN-Typs NG313CNG in dreitüriger Ausführung sind ebenfalls niederflurig, haben eine Länge von 17,95 Meter und bieten 160 Fahrgästen (47 Sitz- und 115 Stehplätze) Platz. Am 1. März waren auch die Wagen O530, O534 und O535 vorhanden. Am 19. März trafen die Wagen O531, O533 und O537-O540 ein und am Freitag, den 21. März komplettierte sich die Flotte mit der Ankunft des Wagens O536. Somit war die sauberste Busflotte Europas komplett. Der Ende Januar von MAN leihweise zur Verfügung gestellte 15-Meter-Bus ging am 20.03.2003 nach Berlin. Das Foto zeigt den Erdgas-Gelenkbus O534 am 23.03.2003 auf dem Gelände des Betriebshofes, drei Tage nach dem er mit einer Totalreklame für einen regionalen Radiosender versehen wurde.

Foto: Ralf Großkopp, Frankfurt (Oder)


Mit der Neuanschaffung der 22 Erdgasbusse wurden die Dieselbusse der Baujahre 1991-92 entbehrlich. Die Standardbusse von Mercedes-Benz (Typ O405) waren bereits um den Jahreswechsel 2002/2003 an einen Zwischenhändler verkauft, der die Fahrzeuge dann an andere Busbetriebe veräußerte. Die Mercedes-Benz-Gelenkbusse (Typ O405G) waren bis auf zwei Ausnahmen bis zum 10.04.2003 ebenfalls an einen Zwischenhändler in Hamburg verkauft. Nach teilweise zwölf Jahren Dauereinsatz im Frankfurter Fahrgastverkehr wurden diese Dieselbusse in einer kleinen Feier zur vollständigen Inbetriebnahme aller Erdgasbusse am 4. April 2003 verabschiedet. Mehr als eine halbe Million Kilometer hat ein Dieselbus vom Typ O405 oder O405G in Frankfurt zurückgelegt. Bei ihrer Anschaffung in den Jahren 1991 und 92 lösten diese Fahrzeuge die Ikarus-Busse ungarischer Produktion vom Typ Ik260 und Ik280 ab.

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