Chronik öffentlicher Stadtverkehr 1989-1990
Chronicle public transport 1989-1990 | Historia od 1989 do 1990 roku
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April 1989
Gotha-Wagen erhält Einholmstromabnehmer
Erst- und einmalig erhält ein Frankfurter Gotha-Tw einen Einholmstromabnehmer. Es handelt
sich dabei um den ER-Tw 53 (Typ T57E, Baujahr 1957,
1978 ex Halle (Saale) Tw 740), der nach einem Unfall wieder aufgebaut wurde. In anderen
Städten der DDR, so in Leipzig und Brandenburg (Havel) werden Einholmstromabnehmer bereits
seit längerem auch auf Gothawagen aufgebaut.
Foto: Gerald Renger, Frankfurt (Oder)
Montag, 08.05.1989
Gleisbau auf der Leipziger Straße
Wegen Bauarbeiten auf der Leipziger Straße (damals Wilhelm-Pieck-Str.) zwischen den Haltestellen Kräuterweg und Friedhof muss bis zum 16.05.1989 teilweise jede zweite Fahrt der Linie 7 gestrichen werden (Ausdünnung auf 15-Minuten-Takt). Erwähnenswert ist mir diese Baustelle aber vor allem wegen des abschließenden Satzes in der Bekanntmachung über die zwischenzeitliche Fahrplanänderung in der Lokalzeitung Neuer Tag:
Die Baumaßnahme stellt hohe Anforderungen an die Straßenbahner und das Baukollektiv. Sie erfordert das Verständnis der Fahrgäste und der Anwohner für die damit verbundenen Erschwernisse sowie hohe Aufmerksamkeit und Disziplin aller. VEB Kraftverkehr Frankfurt (Oder)
Sonnabend, 13.05.1989
Saisonbusverkehr zum Helene-See
Der Saisonbusverkehr 1989 zum Helene-See wird aufgenommen. Bis zum 1. Oktober fahren die Busse in diesem Jahr von der Straßenbahnhaltestelle Neuberesinchen ins Naherholungsziel. An den Wochenenden werden in Richtung Frankfurt einige Fahrten bis zum Bahnhof, andere bis zur Karl-Marx-Str. (heute etwa Hst. Brunnenplatz) verlängert. Vom 05.06. bis 03.09. fahren werktags zusätzliche Busse. Es gilt ein 60- bis 90-Minuten-Takt. Jedoch wird ein gesonderter Fahrpreis von 30 bis 75 Pfennig erhoben. Mit passendem Geld kann sogar im Bus bezahlt werden, das war im Stadtverkehr in der DDR sonst eher unüblich, der Fahrgast hatte sich in der Regel vor dem Fahrtantritt selbst mit Fahrscheinen auszustatten, Automaten oder ein Verkauf durch das Personal waren nicht vorgesehen.
Mai 1989
Letztmalig werden in Frankfurt (Oder) Gotha-Fahrzeuge für den Linienverkehr angeliefert. Es
handelt sich um vier Züge aus Plauen. Sie unterscheiden sich von den übrigen
Frankfurter Wagen durch ihre schwarze Bauchbinde, denn sie wurden in Frankfurt nicht neu
lackiert, sondern erhielten nur den in Frankfurt üblichen cremefarbenen Bodenstreifen und
neue Nummern. Es handelt sich um folgende Züge: Tw 36 + Bw 139, Tw 42 + Bw 126, Tw 45 + Bw
134, Tw 49 + Bw 136. Diese vier Züge wurden so weit ich weiß nur untereinander und
nicht mit anderen Frankfurter Wagen gekuppelt. Es wurden mit den neuen Fahrzeugen Wagennummern
aufgefüllt, die zum Teil seit Jahren nicht mehr benutzt wurden, zum Teil wurden damit aber
Wagen ersetzt, die erst in den 1980er Jahren nach Frankfurt kamen, deren Zustand aber so
schlecht war, dass sie schon ausgemustert werden mussten. Das Foto zeigt den ehemaligen Plauener
Zug, bestehend aus Tw 42III (ex Plauen Tw 93) und Bw 134III (ex Plauen Bw
20) im Januar 1994 auf der Abstellanlage Neuberesinchen, dem heutigen
Depot.
Foto: Michael Busse, Berlin
Juni 1989
Fahrplaneinschränkungen wegen Personalmangel
Auf dem Ersatzverkehr der Linie 2 kommt es zu Einschränkungen, die ursprünglich nur für das Sommerhalbjahr vorgesehen sind, wegen Fahrermangels und immenser Überstunden der Fahrer aber bleiben die Einschränkungen auch im Winter bestehen. Laut Regionalpresse belegen Fahrgastzählungen, dass das reduzierte Angebot auch im Winter ausreicht.
Montag, 18.09.1989
Baubeginn August-Bebel-Straße
Knapp ein Jahr nach Einstellung des Straßenbahnbetriebes auf der August-Bebel-Str. von und zum Westkreuz (heute Messegelände), beginnen die Bauarbeiten zur Sanierung des ersten Bauabschnittes zwischen dem Westkreuz und der Kreuzung August-Bebel- / Rathenaustraße. Die Buslinien C, K und der Ersatzverkehr für die Straßenbahnlinie 2 werden über die Nuhnen-, Friedrich-Ebert- und Gerhart-Hauptmann-Str. umgeleitet. Um 1990 den Straßenbahnverkehr zunächst zwischenzeitlich erst einmal wieder aufnehmen zu können, wird ab dem 25.09. auch zwischen Kantstr. und Markendorfer Str. (damals Otto-Grotewohl-Str.) gearbeitet. Auch zwischen Markendorfer Str. und der Haltestelle Kießlingplatz wird später gearbeitet.
Sonntag, 01.10.1989
Einheitliche Fahrscheine in der DDR
Kurz vor dem Ende der Teilung Deutschlands wurde im Osten eine Neuerung eingeführt: Straßenbahnfahrscheine konnten, egal bei welchem Betrieb sie gekauft wurden, in der ganzen DDR verwendet werden. Nun kann jeder Fahrschein im städtischen Nahverkehr für Bus und Straßenbahn, S-Bahn und U-Bahn für eine Fahrt abgegolten werden. Dabei muss der gelöste Wert dem Ortstarif entsprechen. Seit 1985 hatten die Verkehrsbetriebe Ostdeutschlands damit angefangen, ihre Busse und Bahnen mit einheitlichen Entwertern auszustatten. Außer in Leipzig gibt es nun überall das 30x60-mm-Format. Bei den damals üblichen Fahrpreisen von 10 bis 20 Pfennig, nach heutigem Wert nur wenige Cent, war der gesamte Fahrscheinverkauf allerdings eher ein Spielchen. Ein damaliger Verkehrspolitiker erzählte einmal auf einer Veranstaltung, dass der reale Wert einer Straßenbahnfahrt bei 1,27 Ost-Mark gelegen habe und die Fahrpreise noch nicht einmal die Herstellung und den Vertrieb der Fahrscheine deckten. Selbst diese waren also ein Zuschussgeschäft, ein Nulltarif wäre nach dieser Auskunft für die Ostzone billiger gewesen. So konnten eben nur größenwahnsinnige Tischler und Dachdecker rechnen. Aber das Kommunismus genannte Theater war ja bald vorbei.
Zurück zur Straßenbahn: Geplant ist zu diesem Zeitpunkt noch bis 1990 auch in Leipzig die breiteren Geräte und Fahrscheine einzuführen und bis 1992 Fahrscheine gleichen Wertes in der ganzen DDR auch farblich gleich zu gestalten. Mit der Tarifeinheit war es bald vorbei, aber das war zu diesem Zeitpunkt nur Visionären vorbehalten zu erahnen, immerhin verließen an genau diesem Tag tausende Ostdeutsche die Deutsche Botschaft in Prag gen Westdeutschland.
Donnerstag, 09.11.1989
Die Mauer ist weg
Den Ostdeutschen in seinem Lauf, hielten weder Ochs noch Esel auf. Ab nun ließ es sich sogar in der sowjetischen Zone aushalten, die Mauer war nun auch für uns passierbar.
Mittwoch, 06.12.1989
Warnstreik bei der Frankfurter Straßenbahn
Erstmalig seit den politischen Veränderungen im Osten Deutschlands kommt es bei der Frankfurter Straßenbahn zu einer einstündigen Arbeitsniederlegung in der Wagenwerkstatt. Die Beschäftigten wollten auf die unzureichenden Arbeitsbedingungen aufmerksam machen. Die Heizung ist so schwach, dass auch in den Hallen nur in dicken Wattejacken gearbeitet werden kann. Es fehle weiterhin an einfachsten Arbeitsmitteln wie Phasenprüfern, selbst Bohrmaschinen sind nicht in ausreichender Anzahl vorhanden. Die Schlosser arbeiten an einer Radsatzdrehbank von 1898, dem Eröffnungsjahr der Frankfurter Straßenbahn. Die Dachentwässerung sei trotz der seit den frühen 1980er Jahren laufenden schrittweisen Sanierung des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Betriebshofes so defekt, dass Regenwasser direkt in die Hallen läuft. Zahlreiche Hilfsmittel sind wegen fehlender Ersatzteile nicht funktionstüchtig. Eine für Lackierarbeiten derzeit umgebaute Halle bekommt keine Entlüftung, schwermetallhaltige Batterien werden unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen neu geladen. Batteriesäure wird nicht entsorgt sondern jahrelang in Fässern auf dem Gelände gelagert, Öl wird in Regenabflüsse und damit direkt in die benachbarte Oder gepumpt. Dass dies alles kaum die Schuld der Beschäftigten des Verkehrsbetriebes ist, muss sicher nicht betont werden. Wie an vielen Stellen im damals russisch besetzten Teil unseres Landes wurde vor allem hinter den Kulissen gespart. Und wer weiß wie es vor den Kulissen aussah, ahnt was das für die nicht sichtbaren Betriebe wie eben die Wagenwerkstatt bedeutete.
1989
Fahrzeugzu- und abgänge des Jahres
Letztmalig kamen 1989 gebrauchte Gotha-Fahrzeuge für den Linienverkehr aus einer anderen
Stadt. Es handelt sich um vier Einrichtungszüge aus Plauen. Gleichzeitig wurden aber auch
einige Gothawagen ausgemustert, darunter zwei erst im Vorjahr aus Cottbus übernommene
Triebwagen, die in Frankfurt aber einsatzlos blieben. Auch der erst 1983 aus Gera beschaffte
Zug Tw 21 + Bw 101 ging zur Verschrottung. Der letzte Reko-ER-Tw 36III verließ
den Fahrgasteinsatz und wurde zum A-Tw 9. Das Foto zeigt einen der 1989 aus Plauen
übernommenen Züge (Tw 42III und Bw 136III) im Jahr 1991 bei der
Ausfahrt aus der Schleife Lebuser Vorstadt.
Foto: Hans-Jürgen Hankmann, Frankfurt am Main,
Dienstag, 02.01.1990
Weitere Fahrplaneinschränkungen wegen Personalmangel
Die Ausreisewelle von Ostdeutschen im zweiten Halbjahr des Jahres 1989 ging auch an Frankfurt (Oder) nicht spurlos vorüber. Wegen Fahrermangels werden Soldaten als Straßenbahnfahrer in Erwägung gezogen, ob es dazu auch kam weiß ich nicht. Zunächst einmal muss das Angebot auf der Linie 6 gekürzt werden. Aus dem 7-8-Minuten-Takt wird ein 15-Minuten-Takt. Einzelne Fahrten auf der Linie 7 werden ebenfalls gestrichen.
Januar 1990
Frankfurter Straßenbahn wird bunter
Erstmals seit Jahren fahren in Frankfurt wieder Straßenbahnen mit Werbung. Die
KT4D-Tw 203 und 204
wurden völlig rot lackiert und warben von nun an für die Lotto-Systeme
Ostdeutschlands. Eine abweichende Farbgebung von der Originalfarbgebung erhielten ferner die
KT4D 209 bis 216 und 218. Auf der Seite Fahrzeugtypen
befinden sich Zeichnungen, auf der Seite Bilder Gotha/Reko/KT4DM
Fotos dieser Farbgebungen. Weitere Umlackierungen scheiterten am Veto der Stadt, man wollte den
Wagenpark einheitlich sehen. Die Farbgebung des Tw 211 ist fast identisch mit der heute bei
allen Fahrzeugen (inkl. GT6M und Bus). Im Herbst 1990 erhielt dann sogar ein Gotha-Zug ein neues
Farbgewand. Der Tw 41 + Bw 143 wurden in silber lackiert, was ihnen den etwas spöttischen
Namen Silberpfeil einbrachte, schließlich waren die Gotha-Wagen
allesamt bereits einigermaßen altersschwach. Geworben wurde für die Sparkasse. In
himmelblau fuhren bereits seit den 80-er Jahren die Fahrschul-Tw 5 und 6 und Fahrschul-Bw 110.
Die ersten beiden Tatrazüge in abweichender Farbgebung, die Wagen 210+209 und 204+203 zeigt
das nachfolgende Foto am 1. Januar 1991 in der Wendeschleife am Stadion.
Foto: Gerald Renger, Frankfurt (Oder)
April 1990
Neue Haltestellenhäuschen
Die Firma Bruno Kienzler GmbH aus dem schwarzwäldischen Hausach stellt die ersten vier
Wartehäuschen in der Karl-Marx-Straße an den Straßenbahn-Haltestellen
Schmalzgasse (heute zwischen den Hst.
Magistrale und Brunnenplatz) und
Topfmarkt (damals Karl-Marx-Monument) auf.
Zu Ost-Zeiten war das Errichten von Wartehallen für Fahrgäste wegen permanenter
Baustoffknappheit mit großen Problemen verbunden. Die neuen Glasunterstände sind
wegen der integrierten Werbetafeln kostenlos. Auf Informationstafeln mit Fahr- und
Netzplänen wurde anfänglich verzichtet, hätte man diese doch mit der damals in
Ostdeutschland noch nicht eingeführten D-Mark bezahlen müssen. Im Bild zu sehen ist
eine der ersten mit einer Wartehalle ausgestatteten Stationen, die Haltestelle
Europa-Universität (damals Große Oderstraße).
Foto: Michael Busse, Berlin
Mai 1990
Fahrplaneinschränkungen teilweise aufgehoben
Die seit Januar auf der Linie 6 gültigen Fahrplaneinschränkungen werden schrittweise wieder aufgehoben.
Mittwoch, 20.06.1990
Strecke zum Stadion vorübergehend außer Betrieb
Der Streckenabschnitt Zentrum (damals Platz der Republik) - Stadion wird vorübergehend nicht im Linienverkehr bedient. Grund ist der Bau der bisher fehlenden Wendeschleife. Im Jahr 1970 wurde die Strecke im Buschmühlenweg gänzlich stillgelegt. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Frankfurter Straßenbahn abgeschafft und durch Busse ersetzt werden. Die Kommunisten hatten in den 1960er Jahren errechnet, dass sich Straßenbahnen nur in Städten ab 200.000 Einwohnern rentieren. Mit ein Grund dürfte aber auch der Systemvergleich mit dem richtigen Deutschland gewesen sein. Straßenbahnen galten dort schon länger als altmodisch und wenig repräsentativ. Le Corbusier meinte sinngemäß, dass eine Straßenbahn auf dem Boulevard einer Weltstadt nichts zu suchen hätte. So wollte die mit Minderwertigkeitskomplexen zahlreich ausgestattete Ostzonenregierung durch eine stärkere Autonutzung in Ostdeutschland die Überlegenheit des Sozialismus demonstrieren. Statt überholen ohne einzuholen widmete man sich also dem überlegen ohne nachzudenken. Nach Ulbrichts Ablösung (1971) und der ersten Ölkrise (1973) drehte sich der Wind und man sah ein, dass man in einer anderen Liga als der Westen spielt und die Straßenbahnen Ostdeutschlands kamen vielerorts zu neuer Blüte. Auch in Frankfurt wurde genau 1973 ein Konzept zum Ausbau der Tram erarbeitet. Die Strecke in den Buschmühlenweg aber wurde bereits 1970 wenige Monate nach ihrer Stilllegung wieder reaktiviert, man nahm den noch nutzbaren Teil der Strecke wieder in Betrieb. Da hinter dem Stadion die Gleise bereits unter einer Asphaltdecke verschwunden bzw. ausgebaut waren, war fortan die Haltestelle Stadion die Endstation. Dort wurde aber nur eine Gleiswechselanlage eingebaut. Somit konnten 20 Jahre lang ausschließlich Zweirichtungs-Wagen zum Stadion fahren. Nun endlich wird aber die Haltestelle ca. 150 m nach Osten verlegt und eine zweigleisige Wendeschleife gebaut. Seit Oktober 1988 fährt umleitungsbedingt die Linie 5 zum Stadion. Wegen der Bauarbeiten fährt sie nun Neuberesinchen - Große Oderstraße (heute Europa-Universität) und somit parallel zur Linie 6.
Sonntag, 01.07.1990
Wirtschafts- und Währungsunion zwischen Deutschland und der russisch verwalteten
Zone
Mit der Wirtschafts- und Währungsunion zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland wird mit 42 Jahren Verspätung nun auch in Ostdeutschland die D-Mark als offizielle Währung eingeführt. Bei der neuen Stadtverkehrs GmbH bleiben die Tarife für Bus und Bahn zunächst unverändert. Eine Fahrt mit Umsteigeberechtigung kostet 0,20 DM.
Montag, 13.08.1990
Fahrplaneinschränkungen wegen Fahrgastrückgang
Wirtschafts- und Währungsunion, die zweite: die mangelnde Wirtschaftlichkeit in ostdeutschen Betrieben führt zu Entlassungen in aufgeblähten und obendrein unwirtschaftlichen Großbetrieben. Der größte Arbeitgeber in Frankfurt (Oder), das volkseigene Halbleiterwerk im Industrievorort Markendorf baut Personal ab. Etwa 8.000 Menschen aus dem Frankfurter Raum und aus den angrenzenden Gemeinden Polens waren hier einst beschäftigt. Um diese möglichst wirtschaftlich an ihren Arbeitsplatz zu bekommen, wurde im Oktober 1988 die Straßenbahn nach Markendorf verlängert. Mit 16 Zügen je Stunde und Richtung fuhren die Linien 3, 4 und 7 im Spitzenverkehr gen Markendorf. Nun geht das Verkehrsaufkommen deutlich zurück. Linie 3 wird wieder zur Kopernikusstraße zurückgezogen und fährt wie bis 1988 zwischen Kopernikusstraße und Lebuser Vorstadt. Der 7/8-Minuten-Takt auf der Linie 7 wird durch einen 15-Minuten-Takt ersetzt, es wird also jeder zweite Zug gestrichen. Neu ist auch der baldige Einsatz von Solo-KT4D auf Linie 7. Statt 16 Züge fahren nun noch 8 pro Stunde nach Markendorf. Die Zubringerbuslinie K (Lennéstraße - Kopernikusstraße) fährt nur noch alle 30, nachmittags etwa alle 60 statt 15 Minuten. Dies ist die erste Angebotseinschränkung nach der Wende, weitere werden folgen. Der öffentliche Verkehr nimmt an Bedeutung ab.
Foto: Michael Busse, Berlin
Die Linienführung der Straßenbahnlinie 3 lautet nun folgendermaßen, Takt- und Betriebszeiten bleiben unverändert:
|
|
Straßenbahn ab 13.08.1990
| |
Linie 3 |
Kopernikusstr. - Bahnhof - Platz der Republik - Lebuser Vorstadt
|
Nachfolgend gelistet sind die Taktfolgen der Straßenbahnlinien 3 und 7. Die Stundenangaben in der zweiten Zeile sind nur als ca.-Angaben zu verstehen. Die Takt- und Betriebszeiten der anderen Linien bleiben unverändert.
| Takt | Montag-Freitag | Samstag/Sonntag | täglich | ||||||
| 4-5 | 5-8 | 8-13 | 13-17 | 17-20 | 4-5 | 5-20 | 20-22 | 22-0 | |
| 3 | - | 15' | - | - | |||||
| 7 | - | 15' | - | 15' | - | - | - | ||
unr. = unregelmäßiger Takt
Sonnabend, 18.08.1990
Stadtverkehrsgesellschaft mbH gegründet
Mit Wirkung vom 01.07.1990 wird der Gesellschaftsvertrag zur Gründung der StadtverkehrsGmbH notariell beurkundet, der Geburtstag des Unternehmens in seiner heutigen Form.
September 1990
10 neue KT4D geliefert
Aus Prag kommen zwölf fabrikneue KT4D-Tw. Diese
mussten aufgrund langfristiger Verträge zu einem Stückpreis von 400.000 DM gekauft
werden. Die Stadt nahm dazu einen Investitionskredit der Bundesregierung auf. Die Fahrzeuge
entsprechen nicht dem westlichen Stand der Technik und des Komforts. Aufgrund der
zurückgehenden Fahrgastzahlen werden diese Tw 223 bis 234 teilweise nach wenigen Jahren
überflüssig. Da sich kein Käufer findet, werden die Wagen 230 bis 234 bereits
1995 abgestellt und 1997 verschrottet. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten wollte man
diese Fahrzeuge nicht verschenken. Schade. Andere deutsche Betriebe haben überzählige
Wagen nach Osteuropa verkauft oder verschenkt. Das Bild zeigt den KT4D-Tw 223 des Baujahres
1990 bei der Ausfahrt aus der Haltestelle Dresdener Straße
(heute Dresdener Platz) als Linie 4 in Richtung Markendorf.
Foto: Hans Jürgen Hankmann, Frankfurt am Main, tramwaypics.de
Sonntag, 30.09.1990
Wendeschleife Stadion fertiggestellt
Die Wendeschleife am Stadion wird fertiggestellt. Außerdem ist der qualitätsmäßig schlechteste Abschnitt der Strecke zum Westkreuz (etwa zwischen den Haltestellen Westkreuz und Gerhart-Hauptmann-Straße) erneuert. Zwar sind die Gleise auf der restlichen Strecke teilweise noch immer im erbärmlichen Zustand und auch der sanierte Abschnitt lässt noch Wünsche an Komfort und Laufruhe offen, aber nach zwei Jahren Ersatzverkehr mit Bussen wurde vorerst einmal der Straßenbahnverkehr wieder aufgenommen. Durch die neue Wendeschleife am Stadion gibt es nun keine Linie mehr, die mit Zweirichtungsfahrzeugen bestückt werden muss. Linie 1 fährt weiterhin nach dem Fahrplan vom 22.10.1988, Linie 2 wird nach fast zwei Jahren Ersatzverkehr als Tram-Linie wieder eingeführt und fährt zwischen Westkreuz und Stadion. Linie 3 und auch Linie 7 fahren weiter nach ihrem Fahrplan vom 13.08.1990, Linie 4 bekommt einen neuen Fahrplan und fährt erstmals seit fast 5 Jahren wieder zum Stadion. Auch Linie 5 kann wieder auf ihrer ursprünglichen Route Westkreuz - Neuberesinchen fahren. Sie wird allerdings nun nur noch in der HVZ eingesetzt. Damit fährt, wie schon seit Juni 1989 der Ersatzverkehr, vormittags nur noch alle 15 Minuten eine Bahn zum Westkreuz. Dafür fährt die bisherige HVZ-Linie 6 nun ganztägig, im Spitzenverkehr als einzige Linie noch im 7/8-Minuten-Takt. Alle anderen Tramlinien fahren im 15-Minuten-Takt. Auch wenn damit vier von sieben Straßenbahnlinien verändert fahren, wird kein neuer Fahrplan herausgegeben, ein beidseitig bedrucktes A4-Blatt muss den Kunden reichen. Beim Busverkehr blieb alles beim alten.
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Straßenbahn ab 30.09.1990
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Linie 1 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik - Lebuser Vorstadt
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Linie 2 |
Westkreuz - Platz der Republik - Stadion / Gr. Oderstr.
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Linie 3 |
Kopernikusstr. - Bahnhof - Platz der Republik - Lebuser Vorstadt
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Linie 4 |
Halbleiterwerk - Kopernikusstraße - Bahnhof - Platz der Republik -
Stadion
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Linie 5 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Westkreuz
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Linie 6 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik -
Große Oderstraße
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Linie 7 |
Halbleiterwerk - Kopernikusstr. - Neuberesinchen
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Nachfolgend gelistet sind die Taktfolgen der Straßenbahnlinien (Linie 1-7). Die Stundenangaben in der zweiten Zeile sind nur als ca.-Angaben zu verstehen.
| Takt | Montag-Freitag | Samstag/Sonntag | täglich | ||||||
| 4-5 | 5-8 | 8-13 | 13-17 | 17-20 | 4-5 | 5-20 | 20-22 | 22-0 | |
| 1 | unr. | 15' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 2 | unr. | 15' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 3 | - | 15' | - | - | |||||
| 4 | unr. | 15' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 5 | - | 15' | - | 15' | - | - | - | ||
| 6 | - | 7-8' | 15' | 7-8' | - | - | - | ||
| 7 | - | 15' | - | 15' | - | - | - | ||
unr. = unregelmäßiger Takt
Oktober 1990
Mercedes-Benz-Busse im Test
Die StadtverkehrsGmbH testet im Linienbetrieb einen Mercedes-Gelenkbus vom Typ MB O405G, im November einen MB O405.
Donnerstag, 15.11.1990
Wieder KT4D auf Linie 6
Fast genau drei Jahre nach dem ersten KT4D-Einsatz im Liniendienst der Linie 6 (17.11.1987) wird hier der Tatra-Betrieb wieder eingeführt. Seit 22.10.1988 wurden die bis dahin auf Linie 6 eingesetzten KT4D für die neu eingerichtete Linie 7 benötigt. Durch die zwölf neuen im September 1990 angelieferten KT4D (Tw 223-234) stehen nun auch wieder für Linie 6 welche zu Verfügung. Zwei der fünf Kurse werden an diesem Tag von Tw 224 und von Tw 230 gefahren.
1990
Fahrzeugzu- und abgänge des Jahres
Aufgrund langfristiger Verträge zwischen der ehemaligen DDR und der damaligen Tschechoslowakei kamen 1990 noch einmal zwölf KT4D nach Frankfurt. Neben vier bei Unfällen oder Bränden beschädigten Gotha-Triebwagen, gingen auch weitere Zweiachser außer Dienst, wenngleich das große Ausmustern der veralteten Gotha- und Rekowagen erst 1991 begann.
Die nächste Seite beinhaltet die Chronik der Jahre 1991 und 1992.
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