Chronik öffentlicher Stadtverkehr 1987-1988
Chronicle public transport 1987-1988 | Historia od 1987 do 1988 roku
Stand:
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Montag, 01.06.1987
Neue Fahrscheinentwerter
Insgesamt 480 neue Fahrscheinentwerter wurden in Busse und Bahnen eingebaut. Somit werden die selbsttätigen Stempelkästen gegen manuell zu bedienende Lochentwerter ausgetauscht. Für Begeisterung sorgte diese Rückentwicklung bei den Fahrgästen verständlicherweise nicht. Ab April 1988 wurden in Busse dann erneut neue Entwerter, jedoch nach gleichem Funktionsprinzip eingebaut, sie waren lediglich kleiner als die in der Straßenbahn eingesetzten.
Dienstag, 21.07.1987
Erster Neubauwagen vom Typ KT4D eingetroffen
Über ein Gütergleis an der Fürstenwalder Straße (damals
Ernst-Thälmann-Str.), Ecke Kantstr. werden die ersten
KT4D angeliefert. Abgesehen von Reko-Fahrzeugen sind
seit 1969 keine fabrikneuen Wagen mehr in Frankfurt eingetroffen. Nun aber sollen 22 Tatrawagen
(Tw 201-222) den Wagenpark erweitern. Gotha-Fahrzeuge werden damit dennoch nicht
abkömmlich, schließlich steht die Streckenerweiterung nach Markendorf an und so
werden auch weiterhin Gotha-Wagen von anderen Betrieben gekauft. Für Unmut sorgt in der
Bevölkerung, dass die neuen Tatrawagen zwar groß angekündigt wurden, sie aber
bis Oktober ungenutzt auf dem östlichen Gleis der Strecke zum Stadion rumstanden. Dabei
waren Graffiti und Vandalismus damals offenbar kein Problem. Die fehlenden Techniker vom Prager
Herstellerwerk mussten als Ursache für die lange Nichtinbetriebnahme herhalten. Bis zum 3.
August sind die ersten zehn (Tw 210-210) Wagen angeliefert. Ende August wurde damit begonnen,
die Stromabnehmer (Einholm) aufzubauen. Die Linie 2 fährt dabei monatelang eingleisig
zwischen Stadion und Gertraudkirche an der Wagenparade vorbei. Das Foto zeigt den Triebwagen 202
vor seiner Inbetriebnahme noch ohne Scheinwerfer, Scheibenwischer und auch ohne Stromabnehmer im
August 1987 auf der Lindenstraße (damals Oderallee). Am 21.07.
müssten die Tw 201 und 204, am 23.07. die Tw 202 und 203 angeliefert worden sein, bis zum
01.08. waren auch die Tw 205-207 und 210 eingetroffen, am 03.08. war die erste Lieferung mit dem
Eintreffen der Tw 208 und 209 komplett (keine Garantie für die Daten).
Foto: Michael Busse, Berlin
Montag, 19.10.1987
KT4D-Probefahrten beginnen
Mit den KT4D 201+202 und 203+204 beginnen auf den Strecken Große Oderstraße (heute Europa-Universität) - Kopernikusstraße und Große Oderstraße - Neuberesinchen sowie Neuberesinchen - Kopernikusstraße die fahrgastlosen Probefahrten (andere Quellen sprechen vom 22.10.1987). Das Frankfurter Gleisnetz ist teilweise so schlecht, dass die KT4D nur auf diesen drei Relationen eingesetzt werden sollen. Das beschränkt den Fahrgasteinsatz dieser Wagen auf die Linien 4 und 6. Da beide Linien aber nur mit wenigen Kursen am Tag unterwegs sind, sind die 22 Wagen zunächst gar nicht alle einsetzbar. Bis Mitte November sind neben Tw 201 bis 204 auch die Wagen 205 bis 208 betriebsbereit. Tw 201 fährt überwiegend, teilweise in Doppeltraktion mit Tw 202, als Fahrschulwagen. Eingesetzt werden die Wagen immer in Paaren benachbarter Wagennummern. Das hat sich bis zum Ende der Doppeltraktion im Frühjahr 1992 nie geändert. Erst mit der Wiedereinführung von Doppeltraktionen im Jahr 2004 werden auch nicht benachbarte Wagennummern gekuppelt.
Dienstag, 17.11.1987
Erster KT4D-Einsatz im Fahrgastverkehr
Völlig ohne Parteilob und Aufsehen fuhren plötzlich die Tw 203+204 auf SL4 im Linieneinsatz. Das ist der erste Tag der KT4D im Fahrgasteinsatz. Am 20.11. sind nach fast vier Monaten mit Tw 209 und 210 auch die letzten Wagen der ersten Lieferung über zehn Wagen betriebsbereit. Erstmalig zwei Tatra-Züge sind mit dem Einsatz der Tw 207+208 (neben den bereits erwähnten Tw 203+204) am 25.11.1987 auf Linie 4 unterwegs. Am 22.11. fuhr letztmalig eine Linie 3 am Wochenende. Abends und am Wochenende fuhr die Linie 3 exakt wie werktags die Linie 4, die aber am Wochenende und abends nicht fuhr. Um nun die Tatrawagen nicht nur werktags auf der Linie 4 einsetzen zu können, fuhr nun Linie 4 nach dem Fahrplan der Linie 3 auch am Wochenende. Linie 3 fuhr also nun Montags bis Freitags von etwa 3.30 Uhr bis 0.30 Uhr. Linie 4 fuhr Montags bis Freitags von etwa 5 bis 18 Uhr, am Wochenende von 3.30 Uhr bis 1.30 Uhr.
Samstag, 28.11.1987
KT4D-Linienverkehr eröffnet
Der Linienverkehr mit Tatra-Bahnen wird auf der Linie 4 offiziell eröffnet. Der oben erwähnte Fahrzeitentausch von Linie 3 und 4 wurde wirksam. Linie 3 wurde mit Gotha-/Reko-Zweiwagenzügen bedient, Linie 4 überwiegend mit KT4D-Doppeltraktionen, vereinzelt aber auch mit Gotha-/Rekozügen. Die neuen Fahrzeuge waren nun auch am Wochenende im Einsatz. Am Montag, den 30. November kommen auch auf der Linie 6 erstmalig KT4D-Doppeltraktionen zum Einsatz. Die Linien 3 und 4 fahren mit folgenden Takten:
| Takt | Montag-Freitag | Sonnabend | Sonntag | täglich | ||||||||
| 4-5 | 5-8 | 8-12 | 12-14 | 14-18 | 18-20 | 4-8 | 8-12 | 12-20 | 4-20 | 20-22 | 22-0 | |
| 3 | unr. | 10' | 15' | 12' | 10' | 12' | - | - | - | |||
| 4 | - | 10'-20' | 15'-30' | 10'-20' | - | 20' | 15' | 20' | 20' | 20' | 30'-40' | |
Montag, 14.12.1987
Weitere Lieferung von Tatrawagen beginnt
Bis zum 22.12. werden die KT4D-Tw 211 bis 222 und damit die 2. Lieferung dieser Serie angeliefert. Auch diese werden in der Lindenstraße (damals Oderallee, Strecke zum Stadion) abgestellt, bis zu ihrer Inbetriebnahme verstreicht allerdings nicht ganz so viel Zeit wie bei der ersten Lieferung vom Juli/August.
1987
Fahrzeugzu- und abgänge des Jahres
Wie bereits erwähnt, kamen 1987 mit den 22 KT4D erstmals seit 1969 wieder fabrikneue
Straßenbahnwagen nach Frankfurt (1969 kamen die drei Beiwagen 103II,
104II und 105II aus dem VEB Waggonbau Gotha, der zwar eigentlich zu diesem
Zeitpunkt gar keine Bahnen mehr produzierte, bei dem aber noch 65 Wagenkästen aus der Zeit
bis 1967 vorhanden waren und daraus noch einmal Beiwagen für die Straßenbahnen
Ostdeutschlands gefertigt wurden). Die in den 1970er Jahren angelieferten Rekofahrzeuge wurden
teilweise mit 50 Jahre alten Bauteilen alter Straßenbahnen gefertigt, diese als
Neubaufahrzeuge anzusehen ist Interpretationssache. Neben den 22 KT4D aus der damaligen
Tschechoslowakei kamen aber auch wieder zwei Gotha-Triebwagen aus Gera und ein Gotha-Beiwagen
aus Leipzig. Das Leipziger Netz hat übrigens abweichend vom Frankfurter keine Meterspur
(1.000 mm Spurweite). Ebenfalls aus Gera kam der Fahrschulwagen (L-Tw) 102, der in Frankfurt
die Wagennummer 6 bekam. Dieser war in Frankfurt blau lackiert und war schon in Gera mit den
Plastikschalensitzen der KT4D bestückt. Von 45 vorhandenen (wenn auch nicht so vielen
einsatzfähigen) Gotha-/Rekozügen wurden zu diesem Zeitpunkt allerdings gerade einmal
26 bis 27 gebraucht und man hätte annehmen sollen, dass weitere Gothawagen gar nicht
benötigt wurden. Sie waren dennoch nicht die letzten Fahrzeuge dieses Typs, die von anderen
Betrieben nach Frankfurt kamen. Das Foto zeigt den 1987 aus Gera übernommenen Tw
39IV mit dem 1986 ebenfalls aus Gera gekommenen Bw 143.
Foto: Reichenbach, Plauen
Montag, 14.03.1988
Gleisbau in Karl-Marx-Str. und an der Schleife Kopernikusstraße
Bis zum 21.05.1988 wird am Frankfurter Gleisnetz umfangreich gebaut. Zum Einen werden Gleise in der Karl-Marx-Straße saniert, ferner werden die Gleise der Strecke nach Markendorf an die Wendeschleife Kopernikusstraße angebunden. Dazu wurde in der Haltestelle Kopernikusstraße eine Umsetzanlage eingerichtet, wobei Tw+Bw einfuhren, der Bw vom Tw des vorherigen Zuges mitgenommen wurde und der übrigbleibende Tw wieder den Bw des nächsten Zuges übernahm. Es wurden auf den Linien 3 und 4 nur ZR-Fz eingesetzt. Die Linien 1 und 6 fuhren in dieser Zeit überwiegend mit KT4D, beide zwischen Neuberesinchen und Große Oderstraße (heute Europa-Universtität), wobei KT4D-Umläufe, so weit ich weiß, immer als Linie 6 gekennzeichnet waren. Linie 3 und 4 fuhren mit ZR-Wagen zwischen Kopernikusstraße und Platz der Republik (heute Zentrum). Da dafür alle ZR-Wagen benötigt wurden, musste auch die Linie 2 mit ER-Zügen gefahren werden und wurde daher zur Großen Oderstraße umgeleitet. Linie 5 fuhr unverändert. Zwischen Stadion und Lebuser Vorstadt fuhren Busse im Ersatzverkehr.
Montag, 16.05.1988
KT4D vorübergehend außer Betrieb
Bis zum 22.05.1988 werden alle KT4D außer Dienst gestellt. Die noch kein Jahr alten
Einholmstromabnehmer haben sich als Schwachpunkt herausgestellt. Zu häufig wurde die Kohle
davon abgerissen. Dieses Problem wird nun behoben. Noch kann man einige Tage auf die Tatrawagen
verzichten, mit der Inbetriebnahme der Markendorfstrecke wäre das werktags nicht mehr
möglich. Wie hier im Bild links mit Tw 51II und 41IV sind auf den
Linien 3 und 4 wieder nur Gotha-/Rekofahrzeuge im Einsatz, wenngleich zu dieser Zeit wegen der
seit 14.03. andauernden Bauarbeiten hier ohnehin nur Gotha-/Rekowagen fahren. Die Abstellung der
KT4D betraf zu dieser Zeit also nur die Linie 6.
Foto: Michael Busse, Berlin
Mittwoch, 08.06.1988
Neues Dienstgebäude eröffnet
An der Kreuzung Bahnhofstr. / Heilbronner Str. (damals Wilhelm-Pieck-Str.), wird ein neues Haus für Straßenbahnfahrer, Dispatcher und Verkehrsmeister übergeben. Dieses Gebäude besitzt auch einen Pausenraum und eine Kantine. Ob es sich dabei um eine Art Leitstelle handelte, weiß ich nicht. Geplant war auch einmal, den Fahrkartenverkauf vom Platz der Republik (heute Kundenzentrum am Brunnenplatz) hierher zu verlegen. Dazu kam es nicht mehr, die abseitige Lage wäre wenig kundenfreundlich gewesen. Die Leitstelle ist heute im Betriebshof Neuberesinchen beheimatet.
Juni 1988
KT4D-Einsatz
Die Linien 4 und 6 fahren inzwischen typenrein mit KT4D-Doppeltraktionen. Um die 22 KT4D auch einsetzen zu können, fahren nun mehr als die zehn im Fahrplan ausgewiesenen Fahrten auf Linie 6. Die Tw 201+202 kommen selten im Fahrgasteinsatz sondern überwiegend als Fahrschulwagen zum Einsatz.
Sonnabend, 01.10.1988
Tag der offenen Tür im Betriebshof Bachgasse
Im Betriebshof Bachgasse findet nachträglich zum 90. Geburtstag der Frankfurter Straßenbahn ein Tag der offenen Tür statt. Das war in Frankfurt vor der Wende sehr unüblich.
Freitag, 07.10.1988
Probefahrten nach Markendorf aufgenommen
Eigentlich wollte die SED zum 39. Geburtstag ihrer laut Namen demokratischen Republik (selten
wurde das Ableben eines Delinquenten so herbeigesehnt, leider ahnte zu diesem Zeitpunkt kaum
einer, dass es nicht mehr lange dauern würde und so blieb uns die vermeintlich
schönste aller Freuden, nämlich die Vorfreude vorenthalten) den Betrieb nach
Markendorf aufnehmen. Da das nicht geschafft wurde, wurde kurzerhand der Probebetrieb
eröffnet und man beteuerte dann, mit Betriebsaufnahme meinte man eben die Aufnahme der
Probefahrten. Die Partei hat eben immer recht. Am 18.10.1988 fotografierte ich diese Probefahrt
an der Buckower Straße mit KT4D-Tw 216 und 215.
Foto: Michael Busse, Berlin
Samstag, 22.10.1988
Straßenbahnstrecke nach Markendorf eröffnet
Nun aber war es soweit. Die Nachrichtensendung des Ostfernsehens, die
Aktuelle Kamera und viele Frankfurter fuhren bei bis zu 70 km/h Probe
auf der Neubaustrecke nach Markendorf. Auch ein Eröffnungsband wurde zerschnitten.
Unspektakulär aber fuhr ich mit sechs Fahrgästen um 4.24 Uhr mit der ersten Linie 4
(Tw 211+212) ab der Kopernikusstraße auf die neue Strecke. Ich wollte eben unbedingt im
ersten Zug sitzen. Mit 5,6 km Länge ist die Strecke die längste Neubaustrecke des
Jahres 1988 in Ostdeutschland und zugleich die längste Streckenerweiterung in der
Geschichte der Frankfurter Straßenbahn. 70.000 m3 Erde wurden bewegt, ein neues
Umspannwerk, zwei Brücken und die vier Haltestellen
- Friedenshöhe (heute Conergy SolarModule)
- Markendorf, Siedlung
- Bezirkskrankenhaus (heute Klinikum)
- Halbleiterwerk (heute Markendorf)
wurden eingerichtet. Die Anzahl der Weichen stieg um 35 auf 105. 43 Kilometer Gleise sind nun vorhanden. Ab der Unterquerung der B87 östlich des Ortsteils Markendorf, Siedlung ist die Strecke mit Hochkettenfahrwerk überspannt. Die Endhaltestelle Halbleiterwerk ist großzügig ausgebaut, ein Ankunftsgleis und drei Abfahrtsgleise in Richtung Innenstadt (für jede Linie ein Gleis) und eine dreigleisige Wendeschleife am westlichen Ortsrand von Markendorf sichern die Leistungsfähigkeit dieser Strecke. In den Spitzenstunden fuhren die Bahnen alle 3 bis 4 Minuten von und nach Frankfurt. Knapp 4.000 Plätze pro Spitzenstunde und Richtung wurden dabei angeboten. In Betrieb genommen werden mit der neuen Straßenbahnstrecke auch zwei Ampeln, einmal an der Straße Wildbahn in Markendorf und eine an der Zufahrt zum Klinikum (damals Bezirkskrankenhaus). Diese Ampeln gingen bereits einige Tage vor der Eröffnung des Linienbetriebes in Dienst und waren von Anfang an mit einer Vorrangschaltung für die Straßenbahn ausgestattet.
Neuer Fahrplan 1988/91
(22.10.1988-21.06.1991)
Straßenbahn:
Mit der Streckeneröffnung wurden einige Linien angepasst, die
Linie 7 wurde neu eingerichtet, die Abstellanlage
Neuberesinchen, heute der neue Betriebshof, ging in Betrieb, die
Strecke Platz der Republik - Westkreuz musste wegen des maroden Gleisbetts stillgelegt werden.
Dazu weiter unten mehr. Der neue Fahrplan brachte neben der Einbindung der Neubaustrecke viele
Verbesserungen. Starre Takte wurden konsequent umgesetzt. Parallel fahrende Linien fuhren so
versetzt, dass der Takt optimal halbiert wurde, am Wochenende wurde vor 20 Uhr nun ein
15-Minuten- statt 20-Minuten-Takt angeboten. Auch werktags wurde von einem
10-15-Minuten-Grundtakt auf einen strengen 15-Minuten-Takt gewechselt, durch
Verstärkerlinien aber wurde von 5 bis 20 Uhr auf allen Strecken außer zum Stadion und
zum Halbleiterwerk mindestens ein 7-8-Minuten-Takt gefahren. Die Linien 1, 2 (im Ersatzverkehr
mit Bussen) und 4 bildeten das Grundgerüst und fuhren täglich von Betriebsbeginn bis
-ende, täglich von 5 bis 20 Uhr alle 15, bis 22:30 Uhr alle 20, danach etwa alle 35
Minuten. Da zum Westkreuz mit dem Ersatzverkehr der Linie 2 nur eine Linie fuhr, wurde dieser
Montags bis Freitags von 5-20 Uhr auf 7-8 Minuten verdichtet. Montags bis Freitags von 5 bis 20
Uhr kamen jeweils im 15-Minuten-Takt die Linien 3 und 5 dazu. Ebenfalls werktags, allerdings nur
in den Spitzenstunden, fuhren zusätzlich jeweils im 7-8-Minuten-Takt die Linien 6 und 7.
Alle Tatrafahrzeuge wurden nun für die Strecke nach Markendorf zum Halbleiterwerk
benötigt, so dass die Linien 1-3, 5 und auch wieder die Linie 6 mit
Gotha-/Reko-Zweiwagenzügen befahren wurden. Linie 4 fuhr typenrein mit
KT4D-Doppeltraktionen und auf Linie 7 fuhren KT4D-Doppeltraktionen aber auch
Gotha-/Reko-Zweiwagenzüge. Da am Stadion noch immer keine Wendeschleife vorhanden ist, wird
die nun zum Stadion fahrende Linie 5 ausschließlich mit Zweirichtungsfahrzeugen (ZR)
bedient. Obwohl nun keine Fahrzeuge mehr auf dieser Strecke abgestellt werden müssen weil
nun ausreichend Abstellgleise auf der Abstellanlage in Neuberesinchen vorhanden sind, wird diese
Strecke abends weiterhin nicht bedient. Da Linie 5 nur werktags fährt, wird der
Ersatzverkehr für die Linie 2 am Wochenende von 5 bis 19 Uhr von und zum Stadion
verlängert.
Grafik: Michael Busse, Berlin
Bus: Das Busnetz wurde an die Neubaustrecke der Straßenbahn ebenfalls angepasst. So wurde der Busverkehr nach Markendorf eingestellt. Die Buslinien B und K endeten fortan an der Kopernikusstr., wo in die Straßenbahn zum Halbleiterwerk (heute Markendorf) umgestiegen werden musste. Die Linie B (heute Linie 981) erhielt fast ihre heutige Linienführung zwischen der Kopernikusstr. und dem Hansa-Viertel mit Verlängerung einiger Fahrten zum Industriegebiet Nord am Spitzkrug. Bisher fuhr dorthin die Linie H, die nun also in der Linie B aufging und als Linienbezeichnung für einige Jahre verschwand. Die Bedienung des bisher von der Linie B erschlossenen Vorortes Hohenwalde übernahm die Linie C (heute 982), die über ihren Endpunkt Lichtenberg bis zum Bezirkskrankenhaus (heute Klinikum) über Hohenwalde und Markendorf verlängert wurde. Am Wochenende endeten einige Fahrten der Linie C nicht am Bahnhof sondern fuhren ab der Haltestelle Rathenaustr. (heute Otto-Nagel-Str.) als Linie K weiter ins Hansa-Viertel zur Lennéstraße. Neu war ein 15-Minuten-Takt bei den Buslinien B und K als Verknüpfung zur ebenfalls im 15-Minuten-Takt fahrenden Tramlinie 4 vom und zum Halbleiterwerk in Markendorf. Da dieser 15-Minuten-Takt aber überhaupt nicht zum 20-Minuten-Takt der Buslinien A und G passte, fuhren Busse teilweise kilometerweit direkt hintereinander her. Neu eingerichtet wird für die Buslinien A und B in Richtung Bahnhof die Haltestelle Platz der Einheit (heute Kleist Forum). Beide Linien fahren schon seit geraumer Zeit zwischen Puschkinstr. und Bahnhof in dieser Richtung nicht mehr über die Große Müllroser Straße zum Bahnhof, sondern über die Leipziger und Heilbronner Str. (damals Wilhelm-Pieck-Str.). Da die Wagen dabei eine extrem lange haltestellenlose Strecke absolvieren und nicht weit der neuen Haltestelle damals das konsument-Kaufhaus war, wurde diese Haltestelle nach Fahrgastwünschen eingerichtet.
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Straßenbahn ab 22.10.1988
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Linie 1 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik - Lebuser Vorstadt
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Linie 3 |
(Halbleiterwerk -) Kopernikusstr. - Bahnhof - Platz der Republik
- Lebuser Vorstadt
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Linie 4 |
Halbleiterwerk - Kopernikusstraße - Bahnhof - Platz der Republik -
Große Oderstraße
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Linie 5 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik - Stadion
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Linie 6 |
Neuberesinchen - Bahnhof - Platz der Republik -
Große Oderstraße
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Linie 7 |
Halbleiterwerk - Kopernikusstr. - Neuberesinchen
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Stadtbus ab 22.10.1988
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Linie 2 |
Westkreuz - Platz der Republik (- Stadion)
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Linie A |
Industriekomplex West - Ziolkowskiallee - Bahnhof - Moskauer Str. -
Westkreuz - Meurerstr.
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Linie B |
Kopernikusstr. - Bahnhof - Moskauer Str. (- Industriekomplex Nord)
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Linie C |
Bahnhof - Westkreuz - Rosengarten - Lichtenberg - Halbleiterwerk
- Bezirkskrankenhaus
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Linie D |
Bahnhof - Kraftverkehr - Kliestow - Booßen
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Linie F |
Bahnhof - Grenzbahnhof (- Güldendorf - Lossow)
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Linie G |
Bahnhof - Kaufhalle Nord - Industriekomplex West
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Linie K |
Kopernikusstr. - Nuhnenstr. - Lennéstr.
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Nachfolgend gelistet sind die Taktfolgen der Straßenbahnlinien (Linie 1-7) und der im Takt fahrenden Buslinien (Linie A, B, G, K). Die Stundenangaben in der zweiten Zeile sind nur als ca.-Angaben zu verstehen. Die Taktangaben für die Buslinien beziehen sich auf den jeweiligen Kernabschnitt, darüberhinaus fahren einzelne Fahrten zu abweichenden Zielen.
| Takt | Montag-Freitag | Samstag/Sonntag | täglich | ||||||
| 4-5 | 5-8 | 8-13 | 13-17 | 17-20 | 4-5 | 5-20 | 20-22 | 22-0 | |
| 1 | unr. | 15' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 2 | unr. | 7-8' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 3 | - | 15' | - | - | |||||
| 4 | unr. | 15' | unr. | 15' | 20' | 30'-40' | |||
| 5 | - | 15' | - | - | |||||
| 6 | - | 7-8' | - | 7-8' | - | - | - | ||
| 7 | - | 7-8' | - | 7-8' | - | - | - | ||
| A | unr. | 20' | 30' | 20' | 30' | unr. | 30' | 40' | 30'-40' |
| B | unr. | 15' | 30' | 15' | 30' | unr. | 30' | 40' | 30'-40' |
| G | - | 20' | - | 20' | - | - | - | ||
| K | - | 15' | - | 15' | - | - | - | ||
unr. = unregelmäßiger Takt
Auf den beiden wichtigsten Strecken, zum Halbleiterwerk und nach Neuberesinchen, fuhren die Bahnen in der HVZ je Richtung jeweils im 3- bis 4-Minuten-Takt, nach Neuberesinchen alle 2,5 Minuten. Nach ihrem Einsatz auf Linie 7 fuhren einige Züge ab ca. 16.30 Uhr, weiterhin als Linie 7 beschildert, bis 18 Uhr alle 7-8 Minuten zwischen Neuberesinchen und Großer Oderstraße, so dass zwischen dem Zentrum und Neuberesinchen auf 2-3 Minuten verdichtet wurde. Warum das so gemacht wurde, weiß ich bis heute nicht, denn die 16 Fahrten pro Stunde und Richtung der Linien 1, 5 und 6 zwischen der Innenstadt und Neuberesinchen waren meist ausreichend. Zum Schichtwechsel im Halbleiterwerk täglich gegen 22 Uhr und auch am Wochenende gegen 6 und 22 Uhr fuhren zusätzliche Züge auf Linie 4 und 7.
Straßenbahnverkehr zum Westkreuz eingestellt
Wie erwähnt wurde die Strecke zum Westkreuz (heute
Messegelände) wegen des jahrelang vernachlässigten
Gleisbettes vorübergehend stillgelegt. Die Gleise waren so schlecht, dass nicht einmal mehr
Gotha- und Rekowagen betriebssicher darüber geschickt werden konnten. Das muss mit der
Überlegenheit des Sozialismus zusammengehangen haben. Zwar wurde das Teilstück von der
Bahnhofstraße bis zur Kantstraße bereits Anfang der 1980-er Jahre saniert, aber der
nachfolgende Abschnitt von der Kantstr. bis zum Westkreuz befindet sich in einem katastrophalen
Zustand. In der Regionalpresse hieß es zur Vernachlässigung dieser Strecke oft, dass
die Bauarbeiten im neuen Betriebshof und an der Strecke nach Markendorf sämtliche
Kapazitäten gebunden hätten. Vielleicht war das sogar wirklich so. Kapazitäten
für die Erneuerung der Strecke wurden aber erst nach einem Jahr frei, so lange schlummerte
die Strecke vor sich hin. Linie 2 wurde im Ersatzverkehr gefahren, Linie 5 zum Stadion
umgeleitet. Das Bild zeigt einen Zug der Linie 2 (Tw 28III, Typ T57 mit Bw
118III, Typ TZ70/1) kurz vor der Betriebseinstellung auf der August-Bebel-Str. im
Oktober 1988. Heutzutage kaum mehr vorstellbar sind Beschwerden in der Zeitung, dass bei Einsatz
von Standard- statt Gelenkbussen auf dem Ersatzverkehr für die Linie 2 trotz eines
7-8-Minuten-Taktes die Busse so überfüllt gewesen sind, dass schon am Platz der
Republik (heute Zentrum) nicht alle Fahrgäste mitgekommen sind.
Mittwoch, 16.11.1988
Neue Buswendestelle an der Buckower Straße
An der Buckower Straße (Haltestelle Kopernikusstr.) wird auch für den Bus eine Wendefläche eingerichtet. Die Buslinie K verzichtet daher auf die großräumige Schleifenfahrt über die Grunower Str. und ist in Richtung Kopernikusstr. nun vier Minuten früher am Ziel. Linie B bleibt zur Anbindung des Bereiches Lossower/Grunower Str. auf dieser Strecke.
1988
Fahrzeugzu- und abgänge des Jahres
Wieder kamen drei Trieb- und vier Beiwagen vom Fahrzeugtyp Gotha nach Frankfurt, diesmal aus
Cottbus, Gera und Leipzig. Zwar sind die beiden aus Cottbus umgesetzten Triebwagen noch intern
mit einer Frankfurter Wagennummer versehen worden, allerdings wurden diese Wagen nie mehr
für einen Einsatz in Frankfurt hergerichtet. Der ehemalige Cottbusser Tw 80 steht hier im
Spätsommer 1988 auf dem noch nicht genutzten Gleis nach Markendorf, westlich der
Wendeschleife Kopernikusstraße. Verschrottet wurden zwei 1984
aus Halle (Saale) übernommene Beiwagen, die in Frankfurt nie für einen Einsatz
hergerichtet wurden und noch nicht einmal eine interne Wagennummer erhielten. Der seit 1981 als
Fahrschul-Triebwagen (L-Tw) genutzte Wagen 45II erhielt einen blauen Lack wie ihn
schon der 1987 aus Gera übernommene L-Tw 6 bekam. Gleichzeitig wird das Fahrzeug in L-Tw
5II umgezeichnet, die Wagennummer 45 wird wieder frei. Der bisherige
Arbeits-Triebwagen (A-Tw) 5 (Baujahr 1936, 1975 ex Tw 60) wird außer Dienst genommen und
für die spätere Erhaltung als historischer Triebwagen abgestellt. Seit 1992 ist er als
historisches Fahrzeug wieder unter der Wagennummer 60 im Verkehr.
Foto: Michael Busse, Berlin
Mit 48 zweiachsigen Trieb- und 48 Beiwagen (nicht alle davon waren einsatzbereit) befinden sich so viele zweiachsige Fahrzeuge wie nie zuvor und nie danach im Bestand der Frankfurter Straßenbahn. Mit den 22 KT4D hat die Frankfurter Tram nun 118 Straßenbahnwagen für den Linienverkehr, rechnerisch also 48 Gotha-/Rekozüge und 11 KT4D-Doppeltraktionen, das macht 59 Züge und markiert den Spitzenwert in der Geschichte der Straßenbahn in Frankfurt (Oder).
Die nächste Seite beinhaltet die Chronik der Jahre 1989 und 1990.
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